1. Augustfeier 2010 in Bosio

Nationalfeiertage im Süden haben es in sich. Mitten im Sommer, weit weg von der Heimat, verspürt man vor allem Durst. Doch schwebte trotzdem ein Hauch von Patriotismus über unserer diesjährigen Feier: die vielen bunten Lampions, die an einer mehreren Meter langen Schnur aufgereihten Schweizer Wimpel und die grosse Schweizer Fahne machten aus dem gewittersicheren Erdgeschoss des Rohbaus beim Agriturismo Borgo Robinie in Bosia ein Stückchen Schweiz. Fast symbolhaft könnte man meinen: wir waren gleichzeitig draussen und drinnen.

Bereits früh am Abend gab’s den eigentlichen Höhepunkt mit dem Auftritt des Corale Valle Bormida: in lockerer Folge gab der Chor aus seinem mehrsprachigen Repertoire „lüpfige“ Weisen zum Besten. Als Dirigent sprang in verdankenswerter Weise Josef Egli ein; Julio Dubacher musste diesmal noch zusehen, er war nach einer Operation jetzt noch zu schwach zum selber Dirigieren. Auf seinem Gesicht zeigte sich Freude – es dürfte ja selten sein, dass ein Dirigent seinem Chor einmal aus etwas grösserer Distanz zuhören kann. So richtig unter die Haut ging sicher den Meisten das Stück mit dem Solojodel.

Nun ging es zum Essen. Da haperte es zuweilen. Für den Grossaufmarsch von 64 Personen war die Küche dann schon etwas zu weit weg. Zwar war die Bedienung speditiv und vor allem resolut, letzteres aber zum Teil am falschen Ort: als einige wenige über Massen dem Wein zusprachen, rationierte die Bedienung diesen bei mässig Trinkenden…Nun, es war Zeit für den Auftritt der letzten Konsulin von Genua (dieses Konsulat wird im nächsten Frühjahr geschlossen). In launigen Worten stellte sie sich vor und zeigte sich überrascht über die für Schweizer Vereine in Italien enorm grosse Zahl von Teilnehmern. Mit Genugtuung und Dank nahmen wir zur Kenntnis, dass das Konsulat den 1.August Aperitif spendete. Anschliessend hörten wir die offizielle Ansprache unserer Bundespräsidentin Doris Leuthard: Wir befinden uns im Umbruch; wir werden es schaffen. Den Auslandschweizern kommt eine besondere Rolle zu: sie sind ein Spiegel für die zu Hause Gebliebenen und eine Visitenkarte im Ausland.

Wie bei allen Anlässen gab’s an den Tischen noch lange Diskussionen und Gespräche. Darin zeigen sich immer wieder die mannigfaltigen Interessen unserer Vereinsmitglieder. Und langsam senkte sich die Nacht in den Wald und zügig machten sich jene, die das Auto unten gelassen haben, auf die Socken…

Kurt Hägi