Rückblick von der 1. Augustfeier 2012

 

 

 

Eine überraschend fesselnde Note bringen die 7 Musikanten „Li Destartavelà“. Sie treffen zwar erst zwei, drei Minuten vor ihrem ersten Auftritt bei uns ein. Dafür seien sie diesmal entschuldigt, kommen sie doch von weit her, aus dem Valle Stura, hinter Cuneo. Dieses Tal gehört zum etwas sagenhaften Okzitanien, das sich vom Südwesten des Piemonts über Südfrankreich bis zu den Pyrenäen erstreckt. Die okzitanische Sprache ist eigenartig – Li Destartavelà soll italienisch Gli scavezzacollo (deutsch: Die Draufgänger) heissen. Die Musik erinnert an schottische und irische Weisen und mittelalterliche Tanzmelodien, gespielt auf einer Ghirondola, mehreren Akkordeons, verschiedenen – teilweise schrillen – Flöten, einem Dudelsack und einer veritabeln Harfe samt Pedalen. Wie näher man bei der Musik sitzt, wie mehr nimmt sie einen in Bann, schliesslich lullt sie einen ein.

Zum Glück spricht die Bundespräsidentin zu uns Auslandschweizern frühzeitig und vor dem zweiten Musikteil (ab CD), bei fast ungebrochener Aufmerksamkeit. „Weltoffener“ und „liberaler“ seien wir als die zuhause gebliebenen Schweizer - dem kann man uneingeschränkt beipflichten. Gesprächstoff gibt’s auch sonst viel. Über Gott und die Welt, Krankheit und Gesundheit und wie man selbst bei Krankheit gesund sein kann. Wohl fühlen sich gerade auch die nicht schweizerischen Festteilnehmer. Bemerkenswert finden beispielsweise die Engländer, dass gerade die als Eigenbrödler bekannten Schweizer an ihrem Nationalfeiertag zusammen sässen, nicht wie sie, die das im kleinen Kreis machen würden... 

Gut gelaunt -  nämlich kulinarisch verwöhnt und kulturell gestärkt – machen wir uns spätabends auf den Heimweg.

Es ist verdammt heiss im Südpiemont an diesem Tag.

Nun, eine 1. Augustfeier im Ausland ist halt schon etwas Besonderes. Vorab das leuchtende Rot in der quadratischen Fahne vor dem Aperitiftisch, das einem zeigt, dass man am richtigen Ort ist. Und in der Tat dauert es nicht lange, bis Walter in seiner roten Latzhose auftaucht, die er immer zur Nationalfeier anzieht.

Dieses Jahr hat die rote Farbe eine gewaltige Sogwirkung, müssen doch schlussendlich über 60 Personen im Ristorante La Bossolasca in Santo Stefano Belbo einen Platz finden.

Dieses Restaurant kann in den wärmsten Tönen empfohlen werden - nicht etwa, weil den meisten von uns der sommerliche Schweiss übers Gesicht rinnt, sondern weil Küche und Service das sind, was man professionell nennt. „Lecker“, „fein“, „keine Pfundware“, „ausgewählte Weine“, „aufmerksame Bedienung“, „die wissen, wie man’s machen muss“…